Die Blaufrau

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Malen, Zeichnen und Textilkunst haben mich mein Leben lang begleitet, je länger, desto intensiver. Ich bin gespannt, wo es noch hingeht!
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Donnerstag, 5. November 2020

Andere Richtung

Fortsetzung der abstrakten Aufgabe mit anderen Mitteln, diesmal "nur" Stickerei. Obwohl der Hintergrund kräftig mitspielt, also Mix aus Patchwork und Stickerei. Auf halbem Weg dachte ich, ein monochromer Hintergrund wäre besser gewesen, hätte die Aufmerksamkeit mehr auf die Stickerei gelenkt, aber nun war diese Entscheidung gefallen, und auch sie hatte ja ihren Grund. 

Eigentlich wollte ich mir mit dieser Variante bei der Applikation weiterhelfen, wollte mir durch einen anderen Ansatz eine Möglichkeit geben, das Steckenbleiben zu vermeiden. Aber das hat nicht geklappt, die beiden Techniken sind zu unterschiedlich. Eine kleine Reihe von Applikationen wäre dafür besser gewesen - das muß ich mir merken.

Nach den gleichen Anfangsschwierigkeiten wie bei der Applikation hat sozusagen die Nadel übernommen, und ich habe sehr kontinuierlich vor mich hin gestickt. Ist es der Rhythmus der Bewegung der Hände? Die Regelmäßigkeit der Stiche bei all ihren Variationen? Es ist jedenfalls nicht Genauigkeit oder sorgfältiges Suchen der richtigen Stellen, dazu sticke ich zu schnell. Während des Stickens kam immer die Idee für die nächste Fläche - und die nächste - und die nächste. Wie eine Taschenlampe, die ungefähr zwei Meter weit den Weg erhellt; weiter weg liegt alles im Dunkeln, aber es wird weitergehen. Ein erstaunlicher Prozeß, bei dem Vertrauen entsteht.  

 


 Man kann es nicht mit einem Blick erfasssen, dazu ist es zu unruhig mit dem lebhaften Hintergrund. Aber man kann es sehr lange anschauen. - Wie greifen die Stiche die Stoffmuster auf, ergänzen sie? Ein weites Feld für weitere Arbeiten.






Entdeckung: Sandstich. Hab ich bisher nur selten verwendet. In dieser Kombination aus dickerem und sehr dünnem Garn (Nähgarn) sehr interessant, und eine schöne Textur. Das Patchworkstück hat nur eine Stofflage, ist also ganz dünn. Aber mit der Sandstich-Fläche darauf wird es stark und stabil und fühlt sich sehr angenehm an. Könnte ich mir auch auf Partien von Kleidung vorstellen - vielleicht auf meinem blauen Kleid? Einen Sandstich-Sampler machen ...

Material: Patchwork aus altem Stoff und Resten mit der Hand genäht; Nähgarn, Sticktwist, Perlgarn, Leinen- und Baumwollgarne der Weberinnen von Webkunst-Textil e.V., dickes Chenillestrickgarn. Einfache lineare Stiche: einen Faden aufnähen, Vorstich, Zickzackstich, Plattstich, Sandstich. Spiel mit unterschiedlichen Fadenstärken, Abständen, Konzentration, Richtungen.   

Samstag, 29. August 2020

Staunen

 Erstaunlich! Die Aufgabe für die nächste Workshop-Woche mit Ailish Henderson, ein Porträt in Collage und freier Stickerei. Der erste Schritt: Auswahl eines Bildes, eine Aquarellskizze. Ich bin ja schon im Urlaubs-Rückblick-Modus, also ein "Selfie" von 2009, vom Cape Wrath Trail. Ein glückliches Bild vor Gerrys Hostel in Achnashellach, bei Tee und Keksen.

 

 


Versuch 1, auf Gerstäcker Universal-Papier, was die Aquarellfarben zu schnell schluckt: der Scanner unterschlägt die Rottöne (gebrannte Siena, Kadmiumrot). Tintenfüller und Aquarell. Der Tintenfüller gibt viel Tinte ab, die Lavierung wird sehr dunkel.




Versuch 2 und 3 mit Fineliner und Aquarell im großen Skizzenbuch, was schon besser für Aquarell geeignet ist. Bei jedem Anlauf lockerer. Das rechte Gesicht hat schon mehr Raum, scheint mir. Das muß ich noch lernen, zu sehen.
 
Ich denke, ich habe für den nächsten Schritt genug Anhaltspunkte, aber ich würde gern noch mehr Varianten probieren. Welche Rolle spielt das Grün? Die rechte Seite der Kinnpartie noch ausarbeiten? Noch mehr scheinbar unmotivierte Farbflecke wie das Lasurorange an Auge und Kinn? Morgen bei Tageslicht.
 
Das geht schon über die Aufgabenstellung im Workshop hinaus, mich reizt diese Möglichkeit des lockeren, spielerischen Porträts. Plötzlich keine Scheu vor einem Gesicht, was ja sonst gar nicht mein Thema ist. Sehr spannend! Und es macht total viel Spaß!



Donnerstag, 27. August 2020

Im Experimentiermodus

Endlich bin ich mal rechtzeitig mit einer Aufgabe für den Stitch Club fertig geworden! Ich glaube, nur deswegen, weil ich einen Teil von mir abgeschaltet habe, den zögerlichen, fragenden Teil, der immer hier oder da noch was besser machen möchte, um ein möglichst perfektes Ergebnis zu haben. Es gab so viele Fragen zur Technik, daß dieser Teil gar nicht zu Wort kam. Alle ästhetischen Entscheidungen wurden so nebenbei getroffen, im Vordergrund war: Wie klebe ich das? Welches Papier nehme ich? Welchen Unterfaden zum Maschinensticken? Wenn was schiefgeht: macht nix, ich krieg das schon wieder hin. Keine Kostbarkeit, kein Festhalten.

Aufgabe: ein Leporello, eine Collage mit Textil und Papier, mit Seidenpapier und dünnem Leim beklebt, so daß das Blatt transparent versiegelt ist und weiter bearbeitet werden kann. Thematische Anregung: Urlaubserinnerungen, gesammelte Dinge verarbeiten.

Also: meine Schottland-Wanderung 2017. Die ausgedruckten Ordnance Survey Karten als Grund, darauf Bilder von Tieren, die mir begegnet sind, hauptsächlich Vögel.

Das Verkleben von Stoff ist mir grundsätzlich unsympathisch, deshalb hab ich erstmal die Collage nur mit Stichen zusammengesetzt und schon mal eine Wasseramsel mit der Nähmaschine reingestickt, nach Vorlage von Jonsson, Die Vögel Europas, (mit den schönen Aquarellen). Die anderen Vögel, Austernfischer, Schottisches Moorhuhn, Schneehuhn, und die Abbildungen von Baummarder und Hasen kamen jetzt auch schon drauf, mit Acrylfarben gemalt - sollte ja wasserfest sein.

Nach einem gelungenen Probestück mit verklebtem Seidenpapier (wollte der Aufgabe doch eine Chance geben) hab ich dann doch das Seidenpapier drauf geleimt, das Ergebnis war nicht ganz so gut wie bei der Probe. Die Abbildungen von Baummarder und Hasen waren kaum erkennbar, die Farben gedämpft. Also hab ich die Farben der Vögel mit Buntstift auf der etwas gecrinkelten Papieroberfläche nachgemalt und neue Abbildungen von Baummarder und Hasen draufgenäht. Dazu Feder - in Schottland aufgesammelt, in meinem Reisetagebuch aufbewahrt - und das Hirschgeweih. 

Die Wasserläufe sind nachgestickt, ich finde, das verbindet die Tiere mit dem Hintergrund. (Bright Waters - ein wichtiges Stichwort für diese Wanderung. Vielleicht kann ich diese Methode mal auf die Wasserbilder anwenden, mit transparenten Schichten arbeiten, Acryltusche.) Daher auch der Stoff für den Umschlag, aus dem alten Shibori-Kurs, erinnert mich an die Lichtreflexe auf den Flüssen und Bächen.

 

 

 Die Titelseite. 

Ein Aquarell des Rotkehlchens in Fort Augustus als Erinnerung an die vielen Rotkehlchen, die mich am Zelt besucht haben auf der Suche nach Krümeln. (Ob auf der nächsten Tour wieder eins kommt?)  

Das Zitat von John Muir ist passenderweise aus dem Natur-Büchlein, das ich mir in Shiel Bridge gekauft habe.


Seite 1 mit der Wasseramsel und dem Baummarder
 
Ich habe mir die Namen der Tiere immer in Englisch gedacht ...




Seite 2 - Austernfischer und Hasen - die beiden Hasen auf der Straße hinter Laggan im Gegenlicht ...
Die Vögel am Lake Freuchie, die mich auf der langen Strecke an der Straße entlang mit ihren Rufen und ihrem Flug unterhalten haben. 
 
 

 Seite 3

Die Rufe der Moorhühner um mein Zelt herum an dem Abend am Urlar Burn.
 


 Seite 4
 
Die drei jungen Schneehühner an den Pools of Dee, im Lairig Ghru, in Schneeregen und Wind; ich hab sie auf den Granitsteinen erst gesehen, als ich fast vor ihnen stand. Ein wilder Tag. 
 
Die Feder ist das einzige wirkliche Erinnerungsstück in dem Buch, alles andere kann ich reproduzieren. Das scheint den Druck wegzunehmen.
 
 
 
Ich mag die Rückseiten! Beim nächsten Mal lasse ich die offen.
 Die Farbe der Kartenausdrucke ist nicht wasserfest, auch die ausgedruckten Abbildungen nicht. Bei der Wasseramsel hatte ich die Fadenspannung noch nicht angepaßt, der Unterfaden zieht den Oberfaden auf die Rückseite, so erscheint der Umriß des Vogels sehr schön. So könnte ich auch mal von links sticken. 



Rückseite 1 und 2



Rückseite 3 und 4

Freitag, 21. August 2020

... und Farben - alles noch sehr blau

 Wieso bin ich plötzlich wieder auf die Ölfarben gekommen? DIE Farbe- Ich nehme einen Pinsel voll, fange an und möchte nicht mehr aufhören, fasziniert von den Farbabstufungen, Schattierungen, von der Sattheit und Leuchtkraft der Farben.

Doch, ich weiß. Das Medium W, das Ölfarbe wasservermalbar macht. Drüber gestolpert, ausprobiert, und nun stecke ich drin. Man sollte die Farbe vielleicht nicht mit Wasser verdünnen, aber das Hantieren mit dem Terpentinersatz entfällt, und damit wird die Prozedur viel unkomplizierter. Und die Wohnung riecht nicht tagelang nach Terpentin. Die Farbe trocknet auch schneller und gleichmäßiger; tatsächlich besteht auch das Medium Rapid, das ich schon habe, überwiegend aus Alkydharz wie das Medium W, vielleicht geht es auch damit? Und was geht da eigentlich chemisch vor? Nachlesen.

Ein Probeblatt, vorher schon mit Farbresten bemalt, weiter übermalt, Linien mit dem Spachtel reingekratzt.

 

 
 
 
Zwischenstand: eins meiner Cornwall-Bilder (die Cornwall-Fotos sind wie eine Schatztruhe, die ich noch gar nicht angerührt habe). Die ersten beiden Schichten. Ich möchte das Foto nicht abmalen, es ist der Anstoß, ich möchte vereinfachen, in Streifen von Farbe auflösen. Farben aufbauen, die das Gefühl dieser Landschaft am Meer wiedergeben. Noch ist alles sehr blau.
  



Sonntag, 26. Juli 2020

Alles immer da ...

Nachlese vom Zoom-Kurs gestern, Zeichnerische Kompositionsübungen an der Alanus-Akademie. Eine Nacht späte, ein paar Stunden im Wald später, eine Eichelhäherfeder und einen Juli-Strauß aus Wilder Möhre und Rainfarn später ... nun ist der Kopf wieder freier.

In letzter Zeit scheint alles zusammen zu kommen. Und auch der Kurs paßte gut in diese Re-Vision. In der Besprechung der Kompositions-Prinzipien und -Möglichkeiten und in der Betrachtung der entstandenen Arbeiten bin ich auf so vieles gestoßen, was ich "irgendwie" schon wußte und schon sah, aber diesmal in einen Zusammenhang gebracht. Sehr reichhaltig!

Aufgabe 1: 5 Alltagsgegenstände auf einem A2 Format anordnen, die Variationen fotografieren, drei aussuchen und sagen, welche einem am besten gefällt. 









Das war meine Wahl. Ich mag die kompakte Form gegen die Linien, die durch die Schatten nochmal variiert werden. 


2. Aufgabe: aus gerissenem Papier Formen legen auf A3, dabei Kompositionskontraste beachten; mit vorgegebenen Begriffen assoziieren
 



 Flüstern


Stau


Geisterspiel



 Transzendenz


 Gefunden

Obwohl wir ausführlich über die Arbeiten sprachen, fällt mir erst jetzt auf, daß die letzten drei alle die Diagonale von unten links nach oben rechts betonen. Wie Martin sagen würde: Nicht falsch, aber nicht bewußt. Wie bei der Alexander-Technik: mir bewußt machen, was ich tue.


Aufgabe 3: Lineare Zeichnung der 5 Gegenstände auf A2 mit Aufmerksamkeit auf die Kontraste (Richtung, Größe, Form, Anordnung - ich kriege die Begriffe schon nicht mehr zusammen)  



 Mit Zeichenfüller, weil ich ja brav ein Medium mit gleichbleibendem Strich genommen habe, wie in der Versuchsanordnung vorgesehen - keine ausdrucksvollen Striche, keine Schraffierung oder Schummern oder sonstwas. Nur Linien. Das fiel schwer! Und die Größe war auch schwer hinzukriegen, ich hab alles etwas kleiner gemacht, als ich eigentlich vorgehabt hatte, die Gliederpuppe und der Krug sollten kräftig angeschnitten sein. Ich hätte die Gliederpuppe viiiiiiiel größer machen können, sehe ich jetzt, das wäre gut gekommen. Abstand bringt einiges.


4. Aufgabe: Blatt halbieren und eine Hälfte weiter bearbeiten und intensivieren, mit gleichem Mittel.




Auch hier hätte ich einen Teil der Gliederpuppe nehmen können. Das ist mir gar nicht eingefallen. Wollte den Krug einbauen, weil ich den so gern mag - habe dann überlegt, was das mit dem Bildganzen macht und dachte, ok. 
So könnte es gehen: die Ideen kommen lassen und dann gucken, wie ich sie einbauen kann, und dabei an die Komposition, an die ganzen Kontraste denken und was sich damit ausdrücken läßt. Kombination von Intuition und Nachdenken, wobei die Intuition zuerst kommen muß. Das allein ist schon ein wertvolles Ergebnis für mich. 

Wie schön es ist, sich mit anderen über das auszutauschen, was man gemacht hat, und die Arbeit der anderen zu sehen. Martin sagte, man lernt mehr aus den Arbeiten der anderen als aus den eigenen, weil man für die eigenen so betriebsblind ist. Das sei auch der Sinn von Kursen und Kunststudium. (Dieser Blog ist ja mein Versuch, meine Betriebsblindheit etwas auszugleichen.) Seine Aussprüche während des Tages haben bei mir jedes Mal Aha-Momente bewirkt. 

Welche gab es noch? Daß das beste Mittel bei der Arbeit an einem Bild das Reduzieren ist. Daß wir uns so gern auf ein Objekt stürzen und das liebevoll malen oder zeichnen, daß wir das Bildganze darüber vergessen. Daß wir unbewußt immer und sehr stark den Drang zum Harmonisieren haben - mittige Anordnung, gleiche Größe, Ausgewogenheit - und daß es gut sein kann, bewußt Spannung zu schaffen, um das auszudrücken, was wir wollen. - Das sind nur einige, mir fallen bestimmt noch ein paar ein ...

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Videokonferenz ist was Anstrengendes! Wir hatten nicht nur einen strammen Zeitplan (was essen und einen Tee trinken mußten wir zwischendurch einbauen), sondern es fehlt auch was Wichtiges, wenn man sich mitteilt, aber nicht zusammen im Raum ist. Und ich habe den Eindruck, daß wir ständig versuchen, dieses fehlende Element auszugleichen, vergeblich. Nach dem Kurs war ich so fertig wie lange nicht. Bereichert und erfüllt, aber total hinüber. 

Und jetzt ein Bild ... ich habe so lange nur Skizzen gemacht oder Studien, aber kein Bild (außer mit Textilien). Und ich denke, es sollte was Jetziges sein, keins der Urlaubsbilder, obwohl es da reichlich Anregung gibt.
 

 

Sonntag, 12. Juli 2020

Abfall

Eine Idee, die schon lange im Kopf herumgegeistert ist, leise, im Hintergrund, aber beständig: abgeschnittene Garnreste und Stoffschnipsel zusammenstellen, mit einem flächigen Stich befestigen. Endlich mal gemacht, mit Zickzackstich. 





Ein Kommentar zu der Maikorb-Collage, mit den Stücken, die ich da von den aufgenähten Stoffen abgeschnitten habe und den Fäden, die da abgefallen sind. Kommentar ist eine gute Bezeichnung! Das nächste Stück ist schon in Arbeit, ein kleines Textil-Skizzenbuch ...

Ich bin mit dem Posten hinterher, weil ich die Fotos nicht mehr einfach hochladen kann, die müssen erst in ein Google-Album. Geht immerhin. Mich nervt es immer, wenn ich Zeit und Überlegung in die IT investieren muß, damit ich das machen kann, was ich will. Alles Manuelle ist viel direkter. Aber fairerweise: die Möglichkeiten von IT und Internet sind sagenhaft, ich vergesse das immer, es ist so selbstverständlich geworden. Da kann man ruhig mal Zeit reinstecken.

Samstag, 13. Juni 2020

Alles Plastik

Eine völlig andere Aufgabe im Stitch Club: mit Plastikstreifen sticken. Plastiktüten zerschneiden und damit ganz konventionelle Stiche ausprobieren in einer Anordnung wie in Stickereien zu Anfang des 17. Jahrhunderts. Zumindest war das die Anregung zum Beginn - es macht ja jede doch ihre eigenes Ding draus.

Und ich konnte mich gar nicht aufraffen, mir eine Komposition auszudenken. Der vorige Workshop hat noch lange nachgewirkt, ich konnte mich nicht losreißen. Deshalb hab ich einfach mal angefangen und mir nicht groß was dabei gedacht. Und das war eigentlich sehr gut! Sticken mit abgeschaltetem Kopf.

So sehr viele Plastiktüten hab ich gar nicht mehr, also war die Farbauswahl beschränkt. OK. Die Farben sind ziemlich grell, würde ich normalerweise NIE benutzen. OK. Ich zeichne mir als Hilfestellung eine Form auf, die Stiche laufen ganz woanders hin. OK.




Zwischenstand. - Es hat sich doch gelohnt, all die Zwiebelnetze aufzubewahren. Die Müsliverpackung (Schoko-Kirsche) hat gleich Verwendung gefunden.


Das Material liegt sehr plastisch auf dem Stoff, erinnert mich an Perlen und andere dreidimensionale Sachen. Auch das Geglitzer im Licht. Das kleine Mädchen in mir freut sich an den glatten Oberflächen, an den Lichtreflexen.







Eine Form wie der Kopf einer Kardendistel, wo die kleinen Blüten in einem Ring um die Kopf stehen. Das hätte ich nicht hingekriegt, wenn ich es gezielt versucht hätte. 


Es macht überraschend viel Spaß, Plastikstücke aufzunähen, mit einer feinen Nadel durchzustechen. Irgendwo hab ich Plastikverpackungen aufbewahrt, die mich angesprochen haben - wie wäre es, einen Plastikhintergrund zusammenzustellen wie in Merill Comeaus Workshop, und den zu besticken? Es gibt so viel Bilder und Farben auf unserem Verpackungsmüll. Arbeiten mit dem, was da ist. (Auch mit dem scheußlich grünen Perlgarn, das ich aus irgendwelchen Beständen geerbt habe.)

Ich bin ganz froh, daß nächste Woche nicht gleich ein neuer Workshop kommt. Vielleicht stellen sie jetzt auch um auf zwei Workshops im Monat, das fände ich völlig ausreichend. Mehr Zeit zum Verdauen.  

Donnerstag, 11. Juni 2020

Bild vom Bild

Ein Frühstücksgedanke - ein Pastellbild vom Textilbild. Geboren aus der Lust auf Pastellkreiden und aus der Nachwirkung der Stickerei. Nun sind die Medien sehr unterschiedlich (und ich habe mit Textilien eine viel größere Leichtigkeit als mit Farben). Also bin ich erstmal gegen die übliche Wand gelaufen.




Einen möglichen Weg gab es dann bei Dawn Emerson, "Pastell Rebell". (Nein, ich schäme mich jetzt nicht dafür, woanders nach einer Lösungsmöglichkeit zu suchen. Die Workshops helfen mir, die Regel aufzulösen, daß ich mir alles ganz allein ausdenken muß.) Ich habe hellere Pastelltöne durch verschiedene Netze und Stücke von Paillettenresten - diese Streifen von ausgestanzten Pailletten - getupft (es lohnt sich doch, alles Mögliche aufzubewahren!).

Der helle Querstreifen über der Blüte rechts stört noch, den werde ich abdämpfen. 

Es sieht jetzt eher aus, als stünden die Buschwindröschen in einem Zimmer. Im Textilbild sieht das viel mehr nach Wald aus. Lesarten in unterschiedlichen Techniken?


Die Druckmöglichkeiten sind interessant, damit möchte ich weiter experimentieren, mehr Schablonen zu machen. Habe noch ein Stilleben mit einem sehr schönen Glas vor, dazu kann ich mir das gut vorstellen. Gleichzeitig läuft noch der dritte Workshop. Ich finde, der Tag sollte mindestens 48 Stunden haben! Es freut mich jedenfalls, wieder was mit Pastell zu machen. Alte Liebe.

Freitag, 29. Mai 2020

Plätzchen für Schätzchen - Stitch Club die erste

Stolzes Ergebnis der ersten Woche Stitch Club. Eine Tasche, ein Behälter für einen der gesammelten Schätze (Steine, Federn, Schalen, der eine schöne Knopf - alles Mögliche), oder vielmehr drei. Mit Löchern zum Durchgucken. Sah erst so einfach aus, bietet aber viel Stoff zum Nachdenken. 



Die drei Gegenstände hab ich mir gar nicht ausgewählt, die warfen sich mir sozusagen an die Brust: Gehäuse von Schnecke, Seeigel und Muschel. Alle sehr zerbrechlich und auch schon zerbrochen, mit Blick auf Außen- und Innenseiten, Vorder- und Rückseiten. Sie haben früher Tieren als Behausung gedient, die leeren Innenräume gehören zu ihnen.


  

Die Formen sind sehr unterschiedlich, deshalb wollte ich die Konstruktion der Täschchen variabel machen, basierend auf einem Grundelement. Erstmal zeichnen.


Zuerst die Tasche für den Seeigel, die mußte am breitesten und rundesten sein, also aus vier Teilen zusammengesetzt. Das Nachdenken über die Konstruktion, das Zeichnen dabei, ist eigentlich eine Klärung der Gedanken, das Finden eines Ausgangspunktes. Ich habs dann doch anders gemacht, nur zwei Teile haben die Augen, die Farbe ist anders geworden. Einen Deckel hatte ich im Kopf.  







Während ich die erste Tasche machte, wurden die Pläne für die beiden weiteren konkreter, ich hab sie der Vollständigkeit halber aufgezeichnet. Ich kann sowas nicht abstrakt durchplanen, auch wenn ein Maß an Vorüberlegung hilft. 

Stoff: Ein ziemlich schwerer Baumwolldamast aus irgendeinem alten Stoffvorrat, der mal bei mir gelandet ist, mit dünner Acrylfarbe bemalt und dadurch ungefähr so stabil wie Denim geworden. Guter Schutz. Wie wäre es, wenn man transparenten Stoff nimmt?

 
 Das Grundelement mit dem Drahtrahmen für das "Auge". Der Draht rutscht sehr herum, also mit ein paar Stichen festheften. Einfädiger Sticktwist ist etwas dünn dafür, die Stichelei war nicht einfach. Hätte was anderes nehmen sollen.

Eigentlich ist dieses Auge ein Durchzugsloch für Kordel, am Rand einer Plane. Wird hier zu was ganz anderem. - Durch den Draht kann das Loch noch etwas geformt werden. (Wie wäre es, Draht in Stoff und Fäden einzunähen und dann damit zu formen?)

Das erste Auge ist fertig. Spannend, der erste Blick.


   "Auge" gefällt mir. Zum Rein- und Rausgucken.


Vorder- und Rückseiten




 Die haben was sehr Gemütliches, eine kleine Familie... 

Im Rand eine Runde Draht eingenäht, damit kann man das Täschchen auch noch formen. Ein paar Stiche, die etwas von den Gehäusen aufgreifen - die Spirale des Schneckenhauses, die Kreismuster der Seeigelschale, die runden Kalkablagerungen auf der Muschel, Andeutungen, nicht zuviel.   

Ich finde es schön, daß man die Gehäuse gut sehen kann durch die großen "Augen", es ist nicht nötig, sie zum Anschauen rauszuholen, und das schützt sie. Die Täschchen sind jeweils ein bißchen zu weit, so daß die Gehäuse nicht fest darin sitzen. Dadurch gibt es aber auch Raum darin. - Wieviele Augen könnte man einbauen, ohne daß das Täschchen aufhört, eine Hülle und ein Schutz zu sein?

Mal gespannt, was nächste Woche kommt. Ich fühle mich immer noch so, als wäre ein ganz persönlicher Wunsch in Erfüllung gegangen mit der Einrichtung des Stitch Clubs. Von anderen lernen und angeregt werden, daraus was Eigenes entwickeln - und es ist immer was Eigenes, wenn ich mir die Zeit nehme, das, was ich mache, genau anzugucken - und selbst etwas zeigen. Ich mache Schritte in Richtung Gemeinschaft.

Samstag, 18. April 2020

Die Zärtlichkeit des Stickens

Ob es wohl noch weitere Challenge-Wochen gibt? - Die Aufgabe der 4. Woche war Couching - Überfangstich, Klosterstich, oder wie immer der auf deutsch heißt. Ein Mustertuch. "Die Zärtlichkeit des Stickens", schrieb Richard McVetis. Zeit, Rhythmus.




Angefangen mit dem Quadrat aus gefalteten Papierstücken (die Zeichnungen aus dem Boesner-Blatt), dann der Kreis aus der handgesponnenen Wolle vom Kuchenheimer Wollmarkt, beides mit Nähgarn festgenäht. Der Umriß des Kruges mit Perlgarn, dünnes Seidengarn zum Befestigen; das Blatt mit Paketgarn gelegt, für die Blattadern mehr und mehr entzwirnt und mit Sticktwist gestickt. Ich weiß nicht, weshalb ich dafür braunes Garn genommen habe und nicht eins im Ton des Paketgarns.

Ich mag die Rückseiten!

 

Samstag, 4. April 2020

Grenzen

Community Stitch Challenge auf Textile Artists, 1. Woche 

Ein Nachtrag, die Woche ist die vorige Woche gewesen. - Was wäre die deutsche Übersetzung von Challenge? Eine Aufgabe jedenfalls. Seit ich mich aus dem Distant Stitch Kurs rausgezogen habe vor zwei Jahren, bin ich - abgesehen von "Zeichnen und Achtsamkeit" in der Alanus-Akademie - das erste Mal wieder in dieser Situation. Vertraut und wieder spannend.

Die erste Aufgabe: ein Stück Stoff, in vier Quadranten geteilt, 8x8 cm, vier Variationen eines Stickstiches; Aufgabe von Sue Stone. Ich hab mir Fliegenstich ausgesucht, erstmal Sockenwolle (der dünne Faden zum Stopfen) auf Leinen.




Sobald ich mit einer Variante anfange, kommen so viele Ideen, daß ich mich ablenken lasse. So gibt es immer mehr Ansätze, und das Ganze ist konfus. - Aber unterm Strich hat mich am meisten interessiert, wie der Stich im Zusammenspiel mit anderen aussieht. Vor allem das Muster unten rechts finde ich interessant; Reptilienhaut. 

 
 Auf meinem großen Baumwolltuch, das ich in Lüneburg als Lampenschirm benutzt habe. Eine Variante mit verschiedenen Garnen, alles Weberinnenreste, Baumwolle und Seide, matt und glänzend, dünner und dicker. Der Stoff ist weicher, ich nehme den Stickrahmen.









Ich verliere nach ungefähr einem Drittel der vorgesehenen Fläche die Geduld und fange an, aus dem ursprünglichen Plan auszubrechen. 

Vielleicht sollte ich mir die vorgesehene Fläche kleiner wählen. Mir das Muster vorher aufzeichnen. Klarere Grenzen setzen.


Samstag, 14. Dezember 2019

Regen, Recycling, Reste

Gefühlt eine Woche mit lauter Regentagen - feine Tropfen, von kalten Windböen übers Land geblasen.


Grafit mit Wasser verwischt, Buntstifte - es ist nicht nur eine Regen- sondern auch eine Buntstiftwoche.
 


Regen auf der Achtsamkeitswanderung zur Maisbüschkapelle letzten Sonntag, Regen auf der Fahrt abends nach Köln zu Boesner, um meine Buntstifte abzuholen.





 Und mal kein Regen am Morgen beim Früstück. (Später dann hats natürlich wieder geregnet ...)


Recycling: die großen Bögen mit den Aufwärm-Zeichnungen vom Workshop in der Alanus-Akademie hab ich zerschnitten, auf etwas größer als A5 - voller Linien in Kohle, Pastell, weichem Bleistift. Probeweise mal mit Buntstiften übermalt. 






Obwohl ich sie fixiert habe, verwischen die Striche (ich glaube, das war Conté Carré) etwas unter dem Buntstift, aber sie bleiben ganz gut sichtbar. Formen, Tiefe, vielleicht sogar ein Gegenstand entstehen durch die Farbverteilung.  



 Mit Wachskreiden. Decken stärker als die Buntstifte. Noch mit Pastellübermalung ausprobieren. Man kann sicherlich auch nochmal was freikratzen - Schichtarbeit ;-))

Ein ganzer Stapel der Blätter ist zusammengelegt, um das nächste Buch zu binden - das wird wohl ein Ausmalbuch für (eine) Erwachsene werden. Mal gespannt, was dabei rauskommt ...


Reste



 Beim Heimkommen auf dem Bahnsteig ein letzter Streifen Licht über den Hügeln.



 Die Reste des Herbstes. Ich hab die Blätter zu spät zwischen Buchseiten zum Pressen gelegt, mit dieser interessante Struktur sind sie dann trocken wieder rausgekommen.




Wörtlich genommen. Mit der Armschiene letztes Wochenende. Jetzt fühlt es sich wieder in Ordnung an.