Die Blaufrau

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Malen, Zeichnen und Textilkunst haben mich mein Leben lang begleitet, je länger, desto intensiver. Ich bin gespannt, wo es noch hingeht!
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Montag, 5. April 2021

Nachdenken mit Stoff und Faden

 

Ein paar Tage lang hat im Kreis die nächtliche Ausgangssperre gegolten - "freiheitsberaubender Irrsinn" war eine Äußerung dazu.

Mal abgesehen davon, ob ich das sinnvoll finde oder nicht, habe ich mich davon nicht sonderlich in meiner Freiheit eingeschränkt gefühlt. Warum nicht? Was bedeutet Freiheit für mich?  - Gleichzeitig gab es im Stitch Challenge-Workshop mit Merrill Comeau die Aufgabe, Text in die Arbeit mit Stoff und Faden zu integrieren. Bei den Fragen, die bei der Findung geeigneter Themen und Texte helfen sollten, bin ich sofort bei der Frage nach meiner Freiheit steckengeblieben.

 


Der erste Gedanke dazu war Zeit. Nicht Freizeit, sondern das Lockern des üblichen Zeitkorsetts, ich brauche sozusagen die Hoheit, die Verfügungsgewalt über meine Zeit, um mich frei zu fühlen. 

Der Grundstoff sind meine jetzt überflüssigen selbstgenähten Stoffmasken, aufgetrennt und hier mit Kaffee und Nußbeize eingefärbt. Die Streifen sind beim Trocknen auf der Heizung entstanden. Die Innenseite ist rausgeschnitten, sonst ist der Stoff zu schwer zu besticken; damit entsteht eine Art Rahmen. 

Der Schriftzug ist handgeschrieben, variiere ich ihn noch mal? In der Größe vielleicht? (Das Nachdenken wird noch länger dauern.) Im Zeit-Stück habe ich die Schrift aus einem dicht bestickten Probestück herausgeschnitten.

 


Stück 2: Die Abwesenheit von Lärm ... nicht Stille = geräuschlos, sondern die Möglichkeit, leise Dinge wahrzunehmen. Wie heißt der seed stitch auf deutsch? Er eignet sich für pointillistische Farbschattierungen, ist wie Malen. Dauert eine Weile - sollte ich mal üben, grob zu sticken? Aber ich liebe diese feinen Oberflächen, auch den offenen Plattstich, der den Lichteinfall schön reflektiert, sieht bei jedem veränderten Einfallwinkel anders aus.

Andere Lebensfelder, die ich jetzt sehen kann, haben mit Raum zu tun, mit Weite, aber auch mit kleinen Räumen, mit kleinen Dingen, also Aufmerksamkeit, Geschwindigkeit! Ich möchte aber nicht zu schnell vorandenken, sondern die Gedanken beim Tun kommen lassen. Der nächste Grund ist vorbereitet ...  Das wird mich noch eine Weile beschäftigen, und ich möchte dabei bleiben, nicht noch von Workshop zu Workshop hetzen im Zweiwochenabstand. Wird es ein Buch?

Sonntag, 4. April 2021

Was da ist


 Ein schöner Künstlerinnen-Nachmittag im Atelier. Stricheln, schauen, reden. Die Blätter füllen sich sozusagen von allein als Reaktion auf das, was ich um mich herum sehe. 

Blinde Kontur mit Kohlestäbchen und den dicken Kohlechunks (wie wäre es, mit einer Kohle zu zeichnen? Wüßte allerdings nicht, wo ich eine hernehmen sollte, nur Grillkohle ist überall). A2 ist kaum groß genug, wie gut, daß ich mir diesen Block gekauft habe. 

 

 

 

Fensterbank im Atelier - ich liebe immer wieder diese Zusammenstellungen; ob zufällig oder arrangiert

 


Schwarz ist schwarz ist schwarz. Wieviel Kraft man damit ausdrücken kann. Der Klotz über dem Schwarz verwischt und tönt ab, deckt aber nicht zu, merken. Schichten ... auf Pastellpapier ...





Ein Porträt über den Tisch hinweg - Hilfe! Uuuuhhh! Hohe Kunst=hoher Druck! - Oder auch nicht. Loszeichnen und gucken, was rauskommt. Ich habe auf die Proportionen geachtet, nicht auf Ähnlichkeit. Eine Übung. Und bei den Händen hat es sich aufgelöst, da Bewegung. 

Nebenbei im kleinen Skizzenbuch

 




Ein Zwergenhut aus feinem Silberdraht mit ein paar Plastikperlen, Deko bei einer Geschenkverpackung

Papier eingefärbt mit dem Tuch, an dem ich mir meine kohlebeschmierten Finger abgewischt habe

mit hartem Bleistift
 




Einüben ins Sehen, immer mehr, immer kleiner ...



Donnerstag, 5. November 2020

Andere Richtung

Fortsetzung der abstrakten Aufgabe mit anderen Mitteln, diesmal "nur" Stickerei. Obwohl der Hintergrund kräftig mitspielt, also Mix aus Patchwork und Stickerei. Auf halbem Weg dachte ich, ein monochromer Hintergrund wäre besser gewesen, hätte die Aufmerksamkeit mehr auf die Stickerei gelenkt, aber nun war diese Entscheidung gefallen, und auch sie hatte ja ihren Grund. 

Eigentlich wollte ich mir mit dieser Variante bei der Applikation weiterhelfen, wollte mir durch einen anderen Ansatz eine Möglichkeit geben, das Steckenbleiben zu vermeiden. Aber das hat nicht geklappt, die beiden Techniken sind zu unterschiedlich. Eine kleine Reihe von Applikationen wäre dafür besser gewesen - das muß ich mir merken.

Nach den gleichen Anfangsschwierigkeiten wie bei der Applikation hat sozusagen die Nadel übernommen, und ich habe sehr kontinuierlich vor mich hin gestickt. Ist es der Rhythmus der Bewegung der Hände? Die Regelmäßigkeit der Stiche bei all ihren Variationen? Es ist jedenfalls nicht Genauigkeit oder sorgfältiges Suchen der richtigen Stellen, dazu sticke ich zu schnell. Während des Stickens kam immer die Idee für die nächste Fläche - und die nächste - und die nächste. Wie eine Taschenlampe, die ungefähr zwei Meter weit den Weg erhellt; weiter weg liegt alles im Dunkeln, aber es wird weitergehen. Ein erstaunlicher Prozeß, bei dem Vertrauen entsteht.  

 


 Man kann es nicht mit einem Blick erfasssen, dazu ist es zu unruhig mit dem lebhaften Hintergrund. Aber man kann es sehr lange anschauen. - Wie greifen die Stiche die Stoffmuster auf, ergänzen sie? Ein weites Feld für weitere Arbeiten.






Entdeckung: Sandstich. Hab ich bisher nur selten verwendet. In dieser Kombination aus dickerem und sehr dünnem Garn (Nähgarn) sehr interessant, und eine schöne Textur. Das Patchworkstück hat nur eine Stofflage, ist also ganz dünn. Aber mit der Sandstich-Fläche darauf wird es stark und stabil und fühlt sich sehr angenehm an. Könnte ich mir auch auf Partien von Kleidung vorstellen - vielleicht auf meinem blauen Kleid? Einen Sandstich-Sampler machen ...

Material: Patchwork aus altem Stoff und Resten mit der Hand genäht; Nähgarn, Sticktwist, Perlgarn, Leinen- und Baumwollgarne der Weberinnen von Webkunst-Textil e.V., dickes Chenillestrickgarn. Einfache lineare Stiche: einen Faden aufnähen, Vorstich, Zickzackstich, Plattstich, Sandstich. Spiel mit unterschiedlichen Fadenstärken, Abständen, Konzentration, Richtungen.   

Donnerstag, 27. August 2020

Im Experimentiermodus

Endlich bin ich mal rechtzeitig mit einer Aufgabe für den Stitch Club fertig geworden! Ich glaube, nur deswegen, weil ich einen Teil von mir abgeschaltet habe, den zögerlichen, fragenden Teil, der immer hier oder da noch was besser machen möchte, um ein möglichst perfektes Ergebnis zu haben. Es gab so viele Fragen zur Technik, daß dieser Teil gar nicht zu Wort kam. Alle ästhetischen Entscheidungen wurden so nebenbei getroffen, im Vordergrund war: Wie klebe ich das? Welches Papier nehme ich? Welchen Unterfaden zum Maschinensticken? Wenn was schiefgeht: macht nix, ich krieg das schon wieder hin. Keine Kostbarkeit, kein Festhalten.

Aufgabe: ein Leporello, eine Collage mit Textil und Papier, mit Seidenpapier und dünnem Leim beklebt, so daß das Blatt transparent versiegelt ist und weiter bearbeitet werden kann. Thematische Anregung: Urlaubserinnerungen, gesammelte Dinge verarbeiten.

Also: meine Schottland-Wanderung 2017. Die ausgedruckten Ordnance Survey Karten als Grund, darauf Bilder von Tieren, die mir begegnet sind, hauptsächlich Vögel.

Das Verkleben von Stoff ist mir grundsätzlich unsympathisch, deshalb hab ich erstmal die Collage nur mit Stichen zusammengesetzt und schon mal eine Wasseramsel mit der Nähmaschine reingestickt, nach Vorlage von Jonsson, Die Vögel Europas, (mit den schönen Aquarellen). Die anderen Vögel, Austernfischer, Schottisches Moorhuhn, Schneehuhn, und die Abbildungen von Baummarder und Hasen kamen jetzt auch schon drauf, mit Acrylfarben gemalt - sollte ja wasserfest sein.

Nach einem gelungenen Probestück mit verklebtem Seidenpapier (wollte der Aufgabe doch eine Chance geben) hab ich dann doch das Seidenpapier drauf geleimt, das Ergebnis war nicht ganz so gut wie bei der Probe. Die Abbildungen von Baummarder und Hasen waren kaum erkennbar, die Farben gedämpft. Also hab ich die Farben der Vögel mit Buntstift auf der etwas gecrinkelten Papieroberfläche nachgemalt und neue Abbildungen von Baummarder und Hasen draufgenäht. Dazu Feder - in Schottland aufgesammelt, in meinem Reisetagebuch aufbewahrt - und das Hirschgeweih. 

Die Wasserläufe sind nachgestickt, ich finde, das verbindet die Tiere mit dem Hintergrund. (Bright Waters - ein wichtiges Stichwort für diese Wanderung. Vielleicht kann ich diese Methode mal auf die Wasserbilder anwenden, mit transparenten Schichten arbeiten, Acryltusche.) Daher auch der Stoff für den Umschlag, aus dem alten Shibori-Kurs, erinnert mich an die Lichtreflexe auf den Flüssen und Bächen.

 

 

 Die Titelseite. 

Ein Aquarell des Rotkehlchens in Fort Augustus als Erinnerung an die vielen Rotkehlchen, die mich am Zelt besucht haben auf der Suche nach Krümeln. (Ob auf der nächsten Tour wieder eins kommt?)  

Das Zitat von John Muir ist passenderweise aus dem Natur-Büchlein, das ich mir in Shiel Bridge gekauft habe.


Seite 1 mit der Wasseramsel und dem Baummarder
 
Ich habe mir die Namen der Tiere immer in Englisch gedacht ...




Seite 2 - Austernfischer und Hasen - die beiden Hasen auf der Straße hinter Laggan im Gegenlicht ...
Die Vögel am Lake Freuchie, die mich auf der langen Strecke an der Straße entlang mit ihren Rufen und ihrem Flug unterhalten haben. 
 
 

 Seite 3

Die Rufe der Moorhühner um mein Zelt herum an dem Abend am Urlar Burn.
 


 Seite 4
 
Die drei jungen Schneehühner an den Pools of Dee, im Lairig Ghru, in Schneeregen und Wind; ich hab sie auf den Granitsteinen erst gesehen, als ich fast vor ihnen stand. Ein wilder Tag. 
 
Die Feder ist das einzige wirkliche Erinnerungsstück in dem Buch, alles andere kann ich reproduzieren. Das scheint den Druck wegzunehmen.
 
 
 
Ich mag die Rückseiten! Beim nächsten Mal lasse ich die offen.
 Die Farbe der Kartenausdrucke ist nicht wasserfest, auch die ausgedruckten Abbildungen nicht. Bei der Wasseramsel hatte ich die Fadenspannung noch nicht angepaßt, der Unterfaden zieht den Oberfaden auf die Rückseite, so erscheint der Umriß des Vogels sehr schön. So könnte ich auch mal von links sticken. 



Rückseite 1 und 2



Rückseite 3 und 4

Sonntag, 26. Juli 2020

Alles immer da ...

Nachlese vom Zoom-Kurs gestern, Zeichnerische Kompositionsübungen an der Alanus-Akademie. Eine Nacht späte, ein paar Stunden im Wald später, eine Eichelhäherfeder und einen Juli-Strauß aus Wilder Möhre und Rainfarn später ... nun ist der Kopf wieder freier.

In letzter Zeit scheint alles zusammen zu kommen. Und auch der Kurs paßte gut in diese Re-Vision. In der Besprechung der Kompositions-Prinzipien und -Möglichkeiten und in der Betrachtung der entstandenen Arbeiten bin ich auf so vieles gestoßen, was ich "irgendwie" schon wußte und schon sah, aber diesmal in einen Zusammenhang gebracht. Sehr reichhaltig!

Aufgabe 1: 5 Alltagsgegenstände auf einem A2 Format anordnen, die Variationen fotografieren, drei aussuchen und sagen, welche einem am besten gefällt. 









Das war meine Wahl. Ich mag die kompakte Form gegen die Linien, die durch die Schatten nochmal variiert werden. 


2. Aufgabe: aus gerissenem Papier Formen legen auf A3, dabei Kompositionskontraste beachten; mit vorgegebenen Begriffen assoziieren
 



 Flüstern


Stau


Geisterspiel



 Transzendenz


 Gefunden

Obwohl wir ausführlich über die Arbeiten sprachen, fällt mir erst jetzt auf, daß die letzten drei alle die Diagonale von unten links nach oben rechts betonen. Wie Martin sagen würde: Nicht falsch, aber nicht bewußt. Wie bei der Alexander-Technik: mir bewußt machen, was ich tue.


Aufgabe 3: Lineare Zeichnung der 5 Gegenstände auf A2 mit Aufmerksamkeit auf die Kontraste (Richtung, Größe, Form, Anordnung - ich kriege die Begriffe schon nicht mehr zusammen)  



 Mit Zeichenfüller, weil ich ja brav ein Medium mit gleichbleibendem Strich genommen habe, wie in der Versuchsanordnung vorgesehen - keine ausdrucksvollen Striche, keine Schraffierung oder Schummern oder sonstwas. Nur Linien. Das fiel schwer! Und die Größe war auch schwer hinzukriegen, ich hab alles etwas kleiner gemacht, als ich eigentlich vorgehabt hatte, die Gliederpuppe und der Krug sollten kräftig angeschnitten sein. Ich hätte die Gliederpuppe viiiiiiiel größer machen können, sehe ich jetzt, das wäre gut gekommen. Abstand bringt einiges.


4. Aufgabe: Blatt halbieren und eine Hälfte weiter bearbeiten und intensivieren, mit gleichem Mittel.




Auch hier hätte ich einen Teil der Gliederpuppe nehmen können. Das ist mir gar nicht eingefallen. Wollte den Krug einbauen, weil ich den so gern mag - habe dann überlegt, was das mit dem Bildganzen macht und dachte, ok. 
So könnte es gehen: die Ideen kommen lassen und dann gucken, wie ich sie einbauen kann, und dabei an die Komposition, an die ganzen Kontraste denken und was sich damit ausdrücken läßt. Kombination von Intuition und Nachdenken, wobei die Intuition zuerst kommen muß. Das allein ist schon ein wertvolles Ergebnis für mich. 

Wie schön es ist, sich mit anderen über das auszutauschen, was man gemacht hat, und die Arbeit der anderen zu sehen. Martin sagte, man lernt mehr aus den Arbeiten der anderen als aus den eigenen, weil man für die eigenen so betriebsblind ist. Das sei auch der Sinn von Kursen und Kunststudium. (Dieser Blog ist ja mein Versuch, meine Betriebsblindheit etwas auszugleichen.) Seine Aussprüche während des Tages haben bei mir jedes Mal Aha-Momente bewirkt. 

Welche gab es noch? Daß das beste Mittel bei der Arbeit an einem Bild das Reduzieren ist. Daß wir uns so gern auf ein Objekt stürzen und das liebevoll malen oder zeichnen, daß wir das Bildganze darüber vergessen. Daß wir unbewußt immer und sehr stark den Drang zum Harmonisieren haben - mittige Anordnung, gleiche Größe, Ausgewogenheit - und daß es gut sein kann, bewußt Spannung zu schaffen, um das auszudrücken, was wir wollen. - Das sind nur einige, mir fallen bestimmt noch ein paar ein ...

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Videokonferenz ist was Anstrengendes! Wir hatten nicht nur einen strammen Zeitplan (was essen und einen Tee trinken mußten wir zwischendurch einbauen), sondern es fehlt auch was Wichtiges, wenn man sich mitteilt, aber nicht zusammen im Raum ist. Und ich habe den Eindruck, daß wir ständig versuchen, dieses fehlende Element auszugleichen, vergeblich. Nach dem Kurs war ich so fertig wie lange nicht. Bereichert und erfüllt, aber total hinüber. 

Und jetzt ein Bild ... ich habe so lange nur Skizzen gemacht oder Studien, aber kein Bild (außer mit Textilien). Und ich denke, es sollte was Jetziges sein, keins der Urlaubsbilder, obwohl es da reichlich Anregung gibt.
 

 

Samstag, 13. Juni 2020

Alles Plastik

Eine völlig andere Aufgabe im Stitch Club: mit Plastikstreifen sticken. Plastiktüten zerschneiden und damit ganz konventionelle Stiche ausprobieren in einer Anordnung wie in Stickereien zu Anfang des 17. Jahrhunderts. Zumindest war das die Anregung zum Beginn - es macht ja jede doch ihre eigenes Ding draus.

Und ich konnte mich gar nicht aufraffen, mir eine Komposition auszudenken. Der vorige Workshop hat noch lange nachgewirkt, ich konnte mich nicht losreißen. Deshalb hab ich einfach mal angefangen und mir nicht groß was dabei gedacht. Und das war eigentlich sehr gut! Sticken mit abgeschaltetem Kopf.

So sehr viele Plastiktüten hab ich gar nicht mehr, also war die Farbauswahl beschränkt. OK. Die Farben sind ziemlich grell, würde ich normalerweise NIE benutzen. OK. Ich zeichne mir als Hilfestellung eine Form auf, die Stiche laufen ganz woanders hin. OK.




Zwischenstand. - Es hat sich doch gelohnt, all die Zwiebelnetze aufzubewahren. Die Müsliverpackung (Schoko-Kirsche) hat gleich Verwendung gefunden.


Das Material liegt sehr plastisch auf dem Stoff, erinnert mich an Perlen und andere dreidimensionale Sachen. Auch das Geglitzer im Licht. Das kleine Mädchen in mir freut sich an den glatten Oberflächen, an den Lichtreflexen.







Eine Form wie der Kopf einer Kardendistel, wo die kleinen Blüten in einem Ring um die Kopf stehen. Das hätte ich nicht hingekriegt, wenn ich es gezielt versucht hätte. 


Es macht überraschend viel Spaß, Plastikstücke aufzunähen, mit einer feinen Nadel durchzustechen. Irgendwo hab ich Plastikverpackungen aufbewahrt, die mich angesprochen haben - wie wäre es, einen Plastikhintergrund zusammenzustellen wie in Merill Comeaus Workshop, und den zu besticken? Es gibt so viel Bilder und Farben auf unserem Verpackungsmüll. Arbeiten mit dem, was da ist. (Auch mit dem scheußlich grünen Perlgarn, das ich aus irgendwelchen Beständen geerbt habe.)

Ich bin ganz froh, daß nächste Woche nicht gleich ein neuer Workshop kommt. Vielleicht stellen sie jetzt auch um auf zwei Workshops im Monat, das fände ich völlig ausreichend. Mehr Zeit zum Verdauen.  

Montag, 6. Januar 2020

Meine Stadt

Reaktion auf einen Abschnitt in Hartmut Rosas Buch "Resonanz". Welche Geschäfte möchte ich in meiner Stadt haben? Die Frage erweitert sich bald: wie soll meine Stadt aussehen? 



Ganz schnell möchten auch die Traumprojekte von Freunden mit in die Stadt. Läßt sich bestimmt noch erweitern ... aber die Seite ist voll, Fortsetzung auf mindestens A4. Die Menschen, die ich mir in dieser Stadt denke, müssen ja auch noch dazu ...

Sonntag, 1. September 2019

Kann Spuren von Zeichnungen enthalten

Tagebuch: Manchmal schwappt das Schreiben ins Zeichnen über, doodeln zu Musik oder zu einem Hörbuch, um einen Fetzen Papier herum oder mit dem Rosa des Himmels früh morgens als Hintergrund. Manchmal mit einem Bild vor dem äußeren oder dem Erinnerungsauge als Anhaltspunkt. Manchmal nur, weil ich jetzt unbedingt diesen oder jenen Stift oder was anderes in die Hand nehmen möchte.



 Zur Musik: Sinikka Langeland, The half-finished heaven
(meine Kopfmusik in Kirgistan)



 Schlafsack und Stablampe in der Karlskopf-Hütte - wo man nicht übernachten darf



 Zum Hörbuch The House of Silk von Anthony Horowitz - den Rapidographen wieder ans Laufen bekommen über den Gouachespuren auf dem Blatt




 Der Kräuterstrauß von der Wanderung an Maria Himmelfahrt





St. Johann über dem Steinbruch, vom Förstersteig aus gesehen und erinnert - zwei Blicke zu einem zusammengefaßt

 

 Fensterbrett-Notiz, 9B-Bleistift auf fettem Sennelier-Ölpastell



Und manchmal, wenn ich mich aufraffen kann, schwappt es über auf ein Blatt. - Tinte und Graphitint

Dienstag, 7. August 2018

Überlegen auf Papier

In zweieinhalb Wochen ist es soweit, dann starte ich in meinen Wanderurlaub, endlich. Ich zähle die Tage so intensiv, ich könnte mir ein Maßband zulegen und sie abschneiden. (Wolfgang hat dafür eine App auf seinem Smartphone, die die Tage bis zu seiner Rente runterzählt. Ich würde auf jeden Fall das Maßband nehmen.)

Was nehme ich mit? Die Packliste ist schon seit Wochen in Arbeit. Fürs Zeichnen wollte ich einen kurzen Bleistift mitnehmen, aber das reicht mir nicht. Ich möchte Flecken und Flächen in Graustufen, ein paar deutliche Details drin, ich möchte verwaschen. Nur welchen Stift?




Ausprobieren im Aquarellskizzenbuch, mit einer Folge DS9 im Hintergrund. Vielleicht kamen deshalb die Gesichter drauf, obwohl die "aus dem Kopf" sind. Grafitint, verschiedene wasservermalbare Bleistifte, interessehalber den schwarzen CarbOthello Pastellstift, auch wenn ich den nicht mitnehmen kann, er muß fixiert werden. Eigentlich alles ganz schön. Ich nehme den Inktense-Stift. Schön schwarz, auch zart vermalbar, verschmiert nicht. Nun ist der Stift in zwei Teile zersägt und gespitzt. Mal sehen, was ich unterwegs damit mache!

Wo ich schon im Aquarellskizzenbuch bin: Experiment vor ein paar Wochen. Der wasservermalbare Grafit im kleinen Döschen, PanPastel und mein geliebtes Lasurorange. Ein brennender Baum? Blick durch die Zweige in ein anderes Licht, eine andere Wirklichkeit?










 

Dienstag, 17. Juli 2018

Ruhe und Schnelligkeit

Morgen







Abend:  Wolken bauen sich auf, eine ganze Architektur. Wolken haben sowas Ruhiges, aber sie verändern sich sehr schnell. Nach ein paar Minuten habe ich nur noch an der Skizze gezeichnet, die ich grade eingefangen hatte, die Wolken waren weitergezogen.



 Eigentlich wollte ich eine Bleistiftzeichnung machen. Auf halbem Weg hab ich umgeschwenkt, Buntstifte dazugenommen, und mich dann über mich geärgert, daß ich nicht beim Bleistift geblieben bin - nicht unterwegs vom Weg abgehen und so. Regel um der Regel willen? Ich kann (noch) nicht beurteilen, ob es gut war oder nicht. Vielleicht später mal wieder gucken. (Vielleicht ist die Frage nicht relevant.)



Endlich ein bißchen Regen, hastig und heftig, etwas Abkühlung. Die Wolken ziehen schnell durch, beeilen sich mit dem Abregnen, und es wird wieder hell - gerade Zeit genug für ein paar Striche mit dem Füller und ein bißchen Grafit mit dem Pinsel. Nicht nachdenken. Schon wird es wieder hell. 




Und nun ist das Skizzenbuch tatsächlich voll. Fühlt sich an wie eine Leistung, ein Werk, mehr als nur eine Ansammlung zufälliger Zeichnungen und Notizen, unregelmäßig gefüllt, mit langen Zeiträumen dazwischen. Viele Vorsätze, die Umsetzung läßt zu wünschen übrig. Und doch ... es ist voll!