Die Blaufrau

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Malen, Zeichnen und Textilkunst haben mich mein Leben lang begleitet, je länger, desto intensiver. Ich bin gespannt, wo es noch hingeht!

Samstag, 17. Oktober 2020

(Andere) Wege in die Abstraktion

 Ich hatte mich auf den Online-Kurs am letzten Wochenende gefreut, aber es haben sich leider zu Wenige angemeldet. Zufällig, wenn es sowas gibt, geht es im aktuellen Stitch Club-Workshop auch um eine abstrakte Aufgabe. 

Der Startpunkt sind leicht geknüllte Blätter und die Formen, die durch die Knicke entstehen. 

 


 

Mir kamen die Lederstücke in den Sinn, die schon lange in meinem Vorrat herumliegen, und ich habe fröhlich angefangen, die aufzunähen. Dazwischen soll dann Stickerei. 


Sabine Kaner, die Kursleiterin, hatte als Anregung gegeben, die Formen auf dem Stoff erstmal farbig zu malen. Hab ich mit Inktense-Stiften und etwas Wasser gemacht, damit die Farben nicht zu sehr verschwimmen. Aber es war zu früh, ich hätte es erstmal auf dem Papier mit Grautönen versuchen sollen. Hab ich heute, also nachträglich, gemacht. Nutzt mir für dieses Stück nichts mehr, aber ich wollte es zumindest ausprobieren.

 



 Ein anderes Blatt gefällt mir damit auch viel besser.

 

Weil ich mit der Applikation nicht so recht weiterkam, habe ich einen anderen Ansatz dazwischen probiert, in der Hoffnung, daß sich die Arbeit an zwei Stücken gegenseitig anregt: die Linien des gleichen Blatts mit einem dicken Faden wie eine Zeichnung auf den Stoff nähen und dann sticken. Habe mich auf schwarze Garne beschränkt.





Auch da stecke ich etwas fest. Wenn ich eine Orientierung an einem Bild habe oder auch an der Vorstellung von etwas Organischem wie bei der transparenten Stickerei von der Melde, fließt es anders. Hier taste ich im Leeren herum. Ich vermisse das Gefühl des Findens, das sich sonst einstellt, wenn ich verschiedene Möglichkeiten überlege, was zu machen, und es dann sagt: ja, genau das ist es. Das bleibt bisher völlig aus. Vielleicht liegt es nur an einem Mangel an Übung, an Training im Sehen von abstrakten Formen, Farben, Tonwerten, Linien - ob das nun Striche sind oder Fäden, Farben oder Stoffe. 

Der Weg in die Abstraktion führt im Moment steil bergauf.

 

Freitag, 9. Oktober 2020

Transparenz

 im letzten Stitch Club-Kurs mit Vinny Stapley. Leider hab ich nicht viele transparente Stoffreste - meine Stoff-Vorräte kommen ja mehr aus dem Bereich Kleidung, und ich trage selten Chiffon, Organza usw. 😉

Dafür hab ich unterwegs am Feld ein paar Stücke halbtransparentes Gewebe gefunden, schön faserig, den mit Textilfarben eingefärbt und verarbeitet mit Schnipseln von Gisela aus Berlin, mit einem Abschnitt eines Seidenschals, mit einem Stück alter Spitze. Mit Vorstich, Kreuzstich und sehr offenem Knopflochstich verbunden; schön, wie die Fäden durchscheinen. Die Zeichnung der Melde, in drei Stoffen ausgeschnitten, darauf verteilt und mit Stichen befestigt.

 

 

Details:



 

Vor dem Fenster sieht es besonders schön aus:

 

Ich hätte die Pflanzenformen ein bißchen besser verteilen können - war froh, als sie heil gelandet waren. Vor allem der dunkelgrüne Futterstoff, der mir unter den Händen zerfaserte. Die Blüten der Spitze setzen die Bewegung schön fort. 

Eine Variante ganz in weiß mit noch mehr Stickerei wäre auch schön. Und unterschiedliche Stärken von Fäden - hier ist Nähgarn und einfädiger Sticktwist.


 Die Zeichnungen der Melde (aus dem Garten):




  

 


Ein Morgen

in schlechter Stimmung mit Resten vom Vortag. Eine Spirale, zwei, mit Achtsamkeit. Es war, als würde ich meine Gedanken mit jeder Kurve tiefer in das Blatt hineinziehen, tiefer in eine Ruhe, die dann den ganzen Tag anhielt. Unbeabsichtige Kunst-Therapie.

 


 

Wie wäre es, einen ganzen Nachmittag auf einem richtig großen Blatt weiterzumachen? Ich hab ja jetzt ein paar nach dem letzten Gerstäcker-Einkauf ...

Urlaubsspeicher

Rückblick auf einige Momente der Ruhe, des Wartens, des Innehaltens während der Wandertour. Manchmal ging es darum, die Zeit auf gute Weise zu füllen, wenn mir ein Zug vor der Nase weggefahren war, manchmal darum, ein bestimmtes Detail wiederzugeben, was mit der Kamera nicht so gut möglich war. Wie immer bin ich erstaunt über die "Speicherfähigkeit" der Zeichnungen, wie sehr der Moment des Zeichnens darin enthalten ist, auch wenn ich diesen Moment in der Konzentration auf das Schauen und den Strich gar nicht so erlebt habe. Er ist woanders abgelegt.

 





































Mittwoch, 2. September 2020

Aus dem Staunen heraus

 Die fertige Collage nach der Aufgabe von Ailish Henderson. Grund ist wieder ein Sandwich-Papier aus Hintergrundstoff, Karte, weißem Papier mit ein paar Linien fürs Gesicht, und einem Stück Stoff als Erinnerung an die Apfelblüten im Garten von Gerry's Hostel.

Und der Zwang zur Ähnlichkeit hat wieder zugeschlagen. Ich habe mich wie von einem Magneten gezogen gefühlt, auf diese Ähnlichkeit hin zu arbeiten. Das Gefühl war sehr vertraut. Beim nächsten Anlauf möchte ich das durchbrechen - wenn ich von meiner Wanderung zurückkomme. Grundsätzlich hat das Formen mit Stoff- und Papierschnipseln und Maschinenstickerei Spaß gemacht. Also nochmal - nur anders.

 

 

 

Das Weiß des Papiers im Gesicht stört mich etwas, es sieht wie eine Clownsmaske aus. Nachträglich Färben geht aber nicht, das wird Murks mit den darauf genähten Stoffen. Der Tüll ist schön zum Schattieren, mal in Stoffgeschäften gucken, ich hab jetzt nur noch Weiß und Hellblau. - Eigentlich gefällt mir die Collage doch ganz gut. Ich darf nur nicht denken, das ist mein Gesicht.

Samstag, 29. August 2020

Staunen

 Erstaunlich! Die Aufgabe für die nächste Workshop-Woche mit Ailish Henderson, ein Porträt in Collage und freier Stickerei. Der erste Schritt: Auswahl eines Bildes, eine Aquarellskizze. Ich bin ja schon im Urlaubs-Rückblick-Modus, also ein "Selfie" von 2009, vom Cape Wrath Trail. Ein glückliches Bild vor Gerrys Hostel in Achnashellach, bei Tee und Keksen.

 

 


Versuch 1, auf Gerstäcker Universal-Papier, was die Aquarellfarben zu schnell schluckt: der Scanner unterschlägt die Rottöne (gebrannte Siena, Kadmiumrot). Tintenfüller und Aquarell. Der Tintenfüller gibt viel Tinte ab, die Lavierung wird sehr dunkel.




Versuch 2 und 3 mit Fineliner und Aquarell im großen Skizzenbuch, was schon besser für Aquarell geeignet ist. Bei jedem Anlauf lockerer. Das rechte Gesicht hat schon mehr Raum, scheint mir. Das muß ich noch lernen, zu sehen.
 
Ich denke, ich habe für den nächsten Schritt genug Anhaltspunkte, aber ich würde gern noch mehr Varianten probieren. Welche Rolle spielt das Grün? Die rechte Seite der Kinnpartie noch ausarbeiten? Noch mehr scheinbar unmotivierte Farbflecke wie das Lasurorange an Auge und Kinn? Morgen bei Tageslicht.
 
Das geht schon über die Aufgabenstellung im Workshop hinaus, mich reizt diese Möglichkeit des lockeren, spielerischen Porträts. Plötzlich keine Scheu vor einem Gesicht, was ja sonst gar nicht mein Thema ist. Sehr spannend! Und es macht total viel Spaß!



Donnerstag, 27. August 2020

Im Experimentiermodus

Endlich bin ich mal rechtzeitig mit einer Aufgabe für den Stitch Club fertig geworden! Ich glaube, nur deswegen, weil ich einen Teil von mir abgeschaltet habe, den zögerlichen, fragenden Teil, der immer hier oder da noch was besser machen möchte, um ein möglichst perfektes Ergebnis zu haben. Es gab so viele Fragen zur Technik, daß dieser Teil gar nicht zu Wort kam. Alle ästhetischen Entscheidungen wurden so nebenbei getroffen, im Vordergrund war: Wie klebe ich das? Welches Papier nehme ich? Welchen Unterfaden zum Maschinensticken? Wenn was schiefgeht: macht nix, ich krieg das schon wieder hin. Keine Kostbarkeit, kein Festhalten.

Aufgabe: ein Leporello, eine Collage mit Textil und Papier, mit Seidenpapier und dünnem Leim beklebt, so daß das Blatt transparent versiegelt ist und weiter bearbeitet werden kann. Thematische Anregung: Urlaubserinnerungen, gesammelte Dinge verarbeiten.

Also: meine Schottland-Wanderung 2017. Die ausgedruckten Ordnance Survey Karten als Grund, darauf Bilder von Tieren, die mir begegnet sind, hauptsächlich Vögel.

Das Verkleben von Stoff ist mir grundsätzlich unsympathisch, deshalb hab ich erstmal die Collage nur mit Stichen zusammengesetzt und schon mal eine Wasseramsel mit der Nähmaschine reingestickt, nach Vorlage von Jonsson, Die Vögel Europas, (mit den schönen Aquarellen). Die anderen Vögel, Austernfischer, Schottisches Moorhuhn, Schneehuhn, und die Abbildungen von Baummarder und Hasen kamen jetzt auch schon drauf, mit Acrylfarben gemalt - sollte ja wasserfest sein.

Nach einem gelungenen Probestück mit verklebtem Seidenpapier (wollte der Aufgabe doch eine Chance geben) hab ich dann doch das Seidenpapier drauf geleimt, das Ergebnis war nicht ganz so gut wie bei der Probe. Die Abbildungen von Baummarder und Hasen waren kaum erkennbar, die Farben gedämpft. Also hab ich die Farben der Vögel mit Buntstift auf der etwas gecrinkelten Papieroberfläche nachgemalt und neue Abbildungen von Baummarder und Hasen draufgenäht. Dazu Feder - in Schottland aufgesammelt, in meinem Reisetagebuch aufbewahrt - und das Hirschgeweih. 

Die Wasserläufe sind nachgestickt, ich finde, das verbindet die Tiere mit dem Hintergrund. (Bright Waters - ein wichtiges Stichwort für diese Wanderung. Vielleicht kann ich diese Methode mal auf die Wasserbilder anwenden, mit transparenten Schichten arbeiten, Acryltusche.) Daher auch der Stoff für den Umschlag, aus dem alten Shibori-Kurs, erinnert mich an die Lichtreflexe auf den Flüssen und Bächen.

 

 

 Die Titelseite. 

Ein Aquarell des Rotkehlchens in Fort Augustus als Erinnerung an die vielen Rotkehlchen, die mich am Zelt besucht haben auf der Suche nach Krümeln. (Ob auf der nächsten Tour wieder eins kommt?)  

Das Zitat von John Muir ist passenderweise aus dem Natur-Büchlein, das ich mir in Shiel Bridge gekauft habe.


Seite 1 mit der Wasseramsel und dem Baummarder
 
Ich habe mir die Namen der Tiere immer in Englisch gedacht ...




Seite 2 - Austernfischer und Hasen - die beiden Hasen auf der Straße hinter Laggan im Gegenlicht ...
Die Vögel am Lake Freuchie, die mich auf der langen Strecke an der Straße entlang mit ihren Rufen und ihrem Flug unterhalten haben. 
 
 

 Seite 3

Die Rufe der Moorhühner um mein Zelt herum an dem Abend am Urlar Burn.
 


 Seite 4
 
Die drei jungen Schneehühner an den Pools of Dee, im Lairig Ghru, in Schneeregen und Wind; ich hab sie auf den Granitsteinen erst gesehen, als ich fast vor ihnen stand. Ein wilder Tag. 
 
Die Feder ist das einzige wirkliche Erinnerungsstück in dem Buch, alles andere kann ich reproduzieren. Das scheint den Druck wegzunehmen.
 
 
 
Ich mag die Rückseiten! Beim nächsten Mal lasse ich die offen.
 Die Farbe der Kartenausdrucke ist nicht wasserfest, auch die ausgedruckten Abbildungen nicht. Bei der Wasseramsel hatte ich die Fadenspannung noch nicht angepaßt, der Unterfaden zieht den Oberfaden auf die Rückseite, so erscheint der Umriß des Vogels sehr schön. So könnte ich auch mal von links sticken. 



Rückseite 1 und 2



Rückseite 3 und 4