Die Blaufrau

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Malen, Zeichnen und Textilkunst haben mich mein Leben lang begleitet, je länger, desto intensiver. Ich bin gespannt, wo es noch hingeht!

Samstag, 4. April 2020

Balance

Community Stitch Challenge, Woche 2. Aufgabe von Cas Holmes, von der ich schon drei Bücher habe, sehr inspirierend. Eine Collage aus Stoff, vielleicht Papier; Gefundenes, Vorhandenes, Alltägliches.

Erstmal kämpfe ich mit der Komposition und mache an einem Abend Fotografien von allen möglichen Varianten - und komme tatsächlich zu einem HIntergrund, mit dem ich zufrieden bin. Ich traue mich sogar, das kostbare Stück Chiffon einzusetzen; ich weiß nicht mehr, woher das ist, vielleicht Gisela, die Hutmacherin?

Das Hauptmotiv ist die Teedose. Eine klare Form, und der Tee am Morgen ist in den letzten Wochen so ein schönes Element im Tag gewesen. Bei den bedruckten Papieren aus dem Sketchbookds-Kurs gibt es einige Möglichkeiten.







Die rote Variante ist mir hier zu gewichtig - wäre aber auch möglich. Das gestreifte Stück mußn irgendwie sein, ich brauche etwas Lineares als Kontrast.






Das hellere Papier, aber mit Nußbeize nochmal etwas dunkler getönt, damit es sich besser vom Hintergrund abhebt; eine andere Platzierung; schonmal eingezeichnet der Umriß von Spitzwegerichblättern aus meinem Pflanzentagebuch, für den Frühling. - Wie schön, eine meiner Zeichnungen zu verwenden!


 


Stickerei auf der Teedose, locker, ungenau, dazu muß ich mich zunächst überwinden. Der gelbe Vorstich für den Hintergrund ist Gewohnheit, entspannend, ein bißchen Licht. Die Stiche in den beiden grünen Blättern sind auch eher grob, aber nicht schlecht, sie deuten die gebogene Struktur zwischen den Blattrippen an. Die Stiche unten links stören, sie wollen was beschreiben, tun es aber nicht richtig, entweder zuwenig oder zuviel. Im Zweifelsfall weglassen. 





Der leere Raum zwischen den beiden Blättern stört mich. Und ich habe ständig daran gedacht, Blütenmotive aus dem alten Kissenbezug von Eva einzuarbeiten. An einer Ecke finde ich eine sehr fadenscheinige Stelle und setze sie als eine Art Blütendolde in das V. 
 




 Mit Fliegenstich in Weiß (weiße Blüten im Moment überall, der Schwarzdorn verblüht, die wilden Kirschen fangen an), ein paar Vorstichlinien über dem Chiffon und einem Rahmen aus Blusennähten ist die Collage jetzt komplett, auf ein Stück Universalpapier aufgenäht und hängt über dem Teeregal in der Küche.

 Ich bin ganz zufrieden damit. Vor allem mit der Arbeitsweise. Viel Fotografie, um Abstand zu gewinnen und Lösungen zu suchen. Auftrennen - also nicht aufgeben - einfach bleiben. Ein Balanceakt.









 

Grenzen

Community Stitch Challenge auf Textile Artists, 1. Woche 

Ein Nachtrag, die Woche ist die vorige Woche gewesen. - Was wäre die deutsche Übersetzung von Challenge? Eine Aufgabe jedenfalls. Seit ich mich aus dem Distant Stitch Kurs rausgezogen habe vor zwei Jahren, bin ich - abgesehen von "Zeichnen und Achtsamkeit" in der Alanus-Akademie - das erste Mal wieder in dieser Situation. Vertraut und wieder spannend.

Die erste Aufgabe: ein Stück Stoff, in vier Quadranten geteilt, 8x8 cm, vier Variationen eines Stickstiches; Aufgabe von Sue Stone. Ich hab mir Fliegenstich ausgesucht, erstmal Sockenwolle (der dünne Faden zum Stopfen) auf Leinen.




Sobald ich mit einer Variante anfange, kommen so viele Ideen, daß ich mich ablenken lasse. So gibt es immer mehr Ansätze, und das Ganze ist konfus. - Aber unterm Strich hat mich am meisten interessiert, wie der Stich im Zusammenspiel mit anderen aussieht. Vor allem das Muster unten rechts finde ich interessant; Reptilienhaut. 

 
 Auf meinem großen Baumwolltuch, das ich in Lüneburg als Lampenschirm benutzt habe. Eine Variante mit verschiedenen Garnen, alles Weberinnenreste, Baumwolle und Seide, matt und glänzend, dünner und dicker. Der Stoff ist weicher, ich nehme den Stickrahmen.









Ich verliere nach ungefähr einem Drittel der vorgesehenen Fläche die Geduld und fange an, aus dem ursprünglichen Plan auszubrechen. 

Vielleicht sollte ich mir die vorgesehene Fläche kleiner wählen. Mir das Muster vorher aufzeichnen. Klarere Grenzen setzen.


Sonntag, 22. März 2020

Zeit, um Bäume zu zeichnen

In diesem Ausnahmezustand - Urlaub in Zeiten von Corona - komme ich wieder darauf, was ich alles so machen könnte, wenn der Zeitdruck wegfällt. Der Druck in den Gedanken: ich habe begrenzte Zeit zur Verfügung, welche Wahl treffe ich, was kann ich in der Zeit unterbringen, was nicht. Ohne die Eingrenzung des normalen Rhythmus von Arbeit und Freizeit wird manches (wieder?) möglich. Ich habe nicht nur Pause (da Urlaub), sondern der Rhythmus ist insgesamt gestört, holpert, ist außer Betrieb. Und ich merke jetzt erst, wie tief der drinsteckt.

Also: Wandern in der Umgebung, möglichst ohne Zugbenutzung (heute doch). Es ist fast warm genug, um mich hinzusetzen und Bäume zu zeichnen. - Und danach energisch zu laufen, um wieder warm zu werden und die eisigen Finger aufzutauen.


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 Am Freitag am Weg oberhalb des Regierungsbunkers. Die tief gefurchte Rinde schwang sich so schön von einem Aststumpf zum nächsten. - 4b im Skizzenbuch. Den angedeuteten Hintergrund hab ich nachträglich gemacht, das fehlte mir, und wie üblich hab ich das erst zu Hause gemerkt. 

Bei Alan Lee und John Howe nachgucken, wie die beiden Bäume zeichnen. Wald zeichnen.

 


Heute strahlte die Sonne in einen eigentlich kalten Tag, klares Licht:  Schatten von Zweigen und Ästen auf einem Baumstamm.



Auf zwei Stämmen (bei der Mittagsrast). Die Kontur des Baumstamms hab ich eher aus Gründen der Ordnung gezeichnet. Eigentlich wollte ich die Schatten für sich stehenlassen (in Paint die Linien löschen!). Beide 6b (mehr Schwärze) im Skizzenbuch.

Eigentlich bin ich auf der Suche nach einer anderen Art von Linie: die nicht Gegenstände beschreibt, sondern für sich steht. Und doch nicht beliebig ist, sondern aus der realen Welt, von einem Motiv herrührt.


Und noch eine Frühstückszeichnung in Pastell:



Gut, daß ich den alten Briefumschlag aufbewahrt habe. Ich hab schon viele Äpfel gemalt und gezeichnet, aber noch keine Birnen. Diese Birnenhälfte war vom Frühstück übrig geblieben und strahlte mich mit ihrer klaren Form und ihrem hellen Fleisch so freundlich an ...

Mittwoch, 18. März 2020

Lange nach dem Sturm

... obwohl es zwischendurch ja windig genug war. Stickerei braucht Zeit. 



Baumformen nah und fern, eigentlich nur "Chiffren", aber es funktioniert, eine Andeutung von Perspektive. Nicht beabsichtigt, aber entstanden, wie so vieles.




 Die Rückseite: eine Strichzeichnung. Die Vorstiche sind  wie Schraffuren.


Ich glaube, das ist es jetzt. Vielleicht noch einen Rahmen aus dunkler Seide, das weiße Basistuch ist ein zu harter Kontrast, unverbunden. Die Vierergruppe brauchte noch eine Verbindung zu den Sternen drumherum, und einen Zusammenhalt durch die goldgelben Stiche. Doch noch eine Venus oben hin? Nein, es ist schöner, wenn dieser Bereich frei bleibt. Ein Blick in die Weite.

Samstag, 15. Februar 2020

Nach dem Sturm

Achtsamkeitswanderung am Dienstagabend, immer noch teilweise sehr windig, naß, kalt. Die sanften Hügelwellen über Dedenbach klar, weit, vom Sturm wie gefegt und mit klarer Energie gesättigt. Am Königssee und auf dem Rückweg zum Auto Wetterleuchten im Norden.




 Mit Buntstift im Tagebuch - keine Angst vor Naivität

 Wir waren zu viert, und als wir im Kreis standen, rückten wir ganz dicht zusammen, Seite an Seite, warm und geschützt im Wind.



  Zu viert bildeten wir eine Form, fand ich, fühlte mich wie ein Baustein. Die Form in Stoff, auf einem schon vorher mal zusammengepuzzelten Untergrund aus dunkler Seide.




Immer mehr Sterne erschienen, erst einzelne zwischen den Wolken, dann immer mehr, als sich die Wolken nach und nach verzogen. Es war sehr hell, und in den vielen Pfützen spiegelte sich die Helligkeit.  

An den Seiten sollen Bäume hin, oder eine Chiffre für die Bäume, ich weiß noch nicht, wie das aussehen soll. Wie kriege ich diese Erinnerungen ins Bild, ohne zu illustrieren? Ein ständiges Tasten ...

Die Venus gehört oben noch hin, sie war so unmöglich hell an dem Abend.

Winterfarben

Nach der Wanderung an Maria Lichtmeß ("Lichtmeß - Spinne vergess - krumm Mess in die Hand - in de Wingert gerannt") Erinnerung an die Farben, mit Stoffen und Fäden.





Aus der Schnipselschachtel, grau und braun. Wie farbig das immer noch wirkt.


Ein Abend an der Nähmaschine, mit zusätzlichen Schnipseln und verschiedenen grauen Nähgarnen - und einem Gelbgrün, Vorgeschmack auf den Frühling. Die Seide wellt sich zwischen den Stichen und bekommt Struktur, die anderen Stoffe werden flacher, die Farben werden gedämpft. 

Malen mit der Nähmaschine. Sie greift auch die kleinsten Stückchen noch sehr gut. In die Kiste mit den Nähmaschinenproben. Vielleicht wird ein Stoffbuch daraus. Welche Stiche eignen sich noch für das Übernähen? Wie mischen sich die Farben des Stoffes und des Nähfadens?
 


 Die Rückseite.

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Noch mehr Nachklang der Winterfarben im Tagebuch - die farbigen Kohleblöcke, Pastell, Buntstifte. Hier und da ist schon der Frühling zu ahnen ...





Collage über die Zeit - der Fotoschnipsel mit den Blüten klebt schon länger, dann ist der Schnipsel von den Kurs-Aufwärmübungen dazu gekommen, dann die wiedergefundene Quittung aus London vom Besuch 2000. Es darf langsam zueinander finden.

Ich gehe nach ...

... das ist ja nichts Neues. Seit unserer Wanderung dorthin an Maria Lichtmeß ist mir der Weiselstein und der schöne Nadelwald drumherum nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Also bin ich nachgegangen - mit dem Bus in Richtung Niederzissen, zum Rodder Maar, dem Königssee und dem Weiselstein. Und dann noch über Schalkenbach nach Hause. Beruhigt, daß ich noch eine Tagestour schaffe.

Vor dem Sturm ...





 Rast am Königssee, windstill in der Senke



Der wahrscheinlich weniger begangene Weg zum Weiselstein, an der südöstlichen Seite.