Die Blaufrau

Mein Bild
Malen, Zeichnen und Textilkunst haben mich mein Leben lang begleitet, je länger, desto intensiver. Ich bin gespannt, wo es noch hingeht!

Sonntag, 18. Dezember 2016

Zeitarbeit

Ein mit Acrylfarbe verzierter Mallappen, Stückchen Bettuch auf der Rückseite, ein paar Kronkorken zwischen den Stoffstücken fixiert, kleine Stiche mit Rayongarn, schwarzer Tee. Die Idee ist aus Slow Stitch, und Nachmachen oder nicht, ich will sehen, was daraus wird. 
 
Das Stück "reift" auf dem verwitternden Holzbrett auf dem Dach vor dem Schlafzimmerfenster, festgehalten durch den Topf mit der marokkanischen Minze. Was mich an den Teestand auf dem Bonner Weihnachtsmarkt erinnert, Nana-Minze und Sahara-Tee.




Das Tannin vom Tee fördert anscheinend das Rosten der Kronkorken, kleine Kränze zeichnen sich schon ab. Mal sehen, wie sich das mit der Zeit und mit dem Wetter verändert.

 

 In der Mitte der Kronkorken hatte sich der Tee gesammelt. Wenn der Rost sich verbreitet hat, werde ich das Stück auswaschen. Vielleicht nochmal in Tee legen (und dann in den Backofen), nochmal draußen lassen ... 



Die Rose auf der Patchworkdecke gefällt mir jedes Mal wieder...

 
 

Samstag, 17. Dezember 2016

Raum

Zum Denken, Fühlen, Atmen. Mich-bewegen. Mit jedem Schritt auf die kommende Dämmerung zu die Schichten zusammenheften, nähen. Körper, Gedanken, Herz, Erde, Himmel, Sinne. 




Das war die Morgendämmerung, aber eine ähnliche Stimmung. Bei dem spontanen Gang vorhin hatte ich keine Kamera dabei. 

Innehalten, um in den Raum einzutreten. 

Drei Striche Erinnerung: Hunde und Menschen auf dem Maubischpass (mit meinen wunderbaren neuen Kohleblöcken von Eva & Kalle! und etwas Pastell und Grafit)
 



Und Farben des Winters (vom letzten Samstag)

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Erinnerung

Nun hab ich den blauen Faden wirklich aus den Augen und aus den Fingern verloren. Keine Kontinuität mehr. Und er fehlt mir. - Nicht, daß ich nichts getan hätte zwischen Arbeit (die sich mehr und mehr im Kopf breit macht, also ist Zeit für eine Pause) und Weihnachtsfeiern, Geschenke für Kollegen etc. 

Die Läufer sind unterwegs
 



hier aus der alten Schottland-Karte ausgeschnitten (rund um Loch Lomond), auf ein Kalenderblatt vom Rothaarsteig aufgeklebt, die "fell runners" unterwegs

Die Schatten der ausgeschnittenen Form (die wollte nicht flach bleiben): hiermit könnte man weitermachen. Den Negativraum so noch räumlicher machen. 
 




Und meine Paint-Bilder. Zufallsentdeckungen, die mir Lust machen, mich mehr mit der Bildbearbeitung am Computer zu beschäftigen. Das ist suchterzeugend, hab ich festgestellt. 
 








Mittlerweile ist das Kapitel gepostet, obwohl ich das Gefühl habe, ich habe erst die Oberfläche angekratzt. Trotzdem ist Zeit, es abzuschließen. Die Betrachtung hier hat mir gefehlt, das sollte ich nicht noch einmal schleifen lassen. Der Raum zum Nachdenken, zum Atmen.  

 Und eines Morgens, vorgestern, glaub ich, hatte ich die Erinnerung an den Saar-Hunsrück-Steig. Das Dorf mit der alten Kirche, in dem ich am Ende gezeltet hatte. Alle Dörfer dort heißen -weiler, ich erinnerte mich an Kirschweiler und eine Hügelkuppe dort in der Nähe, die Kirschweiler Festung, wo ich zwischen Felsen herumgeklettert bin, und an einen Bier- und Grillgarten, wo ich am sonnigen Nachmittag saß und aufs Essen wartete. Sensweiler hieß das Dorf, und hatte eine der ältesten Kirchen dieser Gegend. In der Kirchenmauer waren römische Steine verwendet, und vor der Kirche stand ein Baum mit einem eingewachsenen Steingesicht. Erinnerung blättert auf.

Und der Rothaarsteig Anfang September. Gestern abend, völlig erledigt, habe ich endlich die Fotos aufgeklebt und ein bißchen beschriftet. Gilt das auch als kreative Arbeit? 


Musik: Return to the Woods von Joe Townsend und Martin Green

Literatur: Am ehesten Hans Jürgen von der Wense. Er ist in der Gegend von Brilon gewesen und dort gewandert. Seine Beschreibungen treffen nicht so sehr die Landschaft sondern die Wirkung, die sie auf ihn hatte.

 

 Ausblick vom Campingplatz Brilon am Morgen, 2. September

Die Bruchhauser Steine, stehengebliebene Vulkanschlote, über dem Tal. Fotografiert vom Ginsterkopf aus, auf einem Kammweg, auf der anderen Seite ist Brilon-Wald. 



Teil des alten Gehöfts in Küstelberg, das früher auch Handelslager war.
Auf dem Kahlen Asten im Nebel. Dieses Hochplateau ist ein Biotop für sich. Der Regen hörte da langsam auf, die Baumgruppen erschienen im Nebel und verschwanden ...


 Das Tal der Lenne unter den Wolken. Viele Flüsse entspringen an diesem Weg, die Möhne, die Ruhr, weiter südlich Lahn und Eder.



 Sonnenaufgang an meinem Zeltplatz im Wald,
und das erste Sonnenlicht an der Ferndorfquelle



 Im nächsten Jahr möchte ich den Weg zu Ende gehen.

Freitag, 9. Dezember 2016

Bewegung


 Yoga. Aber eine statische Bewegung. Und nicht wirklich ein volles Blatt. 

Die Läufer sind besser. Mit gestreiftem Hintergrund wie eine Rennbahn, gemalt mit meinen neuen Gourachfarben, dicke Tuben (im Ohr "Der Flüsterer im Dunkeln" von Lovecraft).


Wo ist der blaue Faden?

Lange intensive Arbeitstage, Feiern, Krankenhausbesuche weben ihren eigenen Stoff, in dem der blaue Faden unsichtbar wird. Manchmal auftaucht, wieder von anderen Fäden zugedeckt wird. Auch das ein Gewebe, grau und bunt. 

Die Sonne vom letzten Sonntag leuchtet weiter in den Fotos meiner alten Decke. 




 Drei Hobbitfilme später. Zum Entspannen setze ich mich vor den Fernseher, wenn vom Abend nicht mehr viel übrig ist, aber das eigentlich Entspannende ist das Hantieren, die Berührung und der Rhythmus des Stickens/Nähens, wo ist eigentlich der Unterschied?



Eine kleine Gegend (Gegend ist eins der schönen Wörter) erscheint in den vielen Schichten der Stoffe. Berge, dunkle Seen vielleicht, ein Lastwagen auf einer verdecktgen Autobahn. Eine Überraschung. Ich hab die Stücke damals sehr sorglos übereinander gelegt (meine erste Patchworkdecke, ohne Plan, unbekümmert, ginge heute gar nicht mehr), und nun kommen die ursprünglichen Stücke wieder zum Vorschein. Mit einem Stückchen frischen blauen Himmel dahinter. 



 Der letzte der kleinen Monde.






Eine Rose ist eine Rose ... nun mit ein bißchen Drama. Der Hingucker auf der Decke.

Grauer Sticktwist für die Stiche. Sie halten die Fetzen sehr gut fest, die losen Fäden, wo der Stoff durchgescheuert ist. Mal sehen, wie schnell sich das abnutzt. 



Und der Tieger auf dem Dach. Da ist er.



 Da war er.






Und Pfötchen hat ein neues Plätzchen.

Samstag, 3. Dezember 2016

Flickwerk

Inspiriert (wie immer) von Jude Hill gucke ich meine Patchworkdecken an und sehe die Risse, wo die Nahtzugaben zu knapp waren, wo die Webart des Stoffes riskant ist, wo ein Stoff mit den Jahren die Grätsche macht. Ich habe das schon öfter gesehen und es bei "müßte ich mal machen, wenn ich Zeit hab" belassen.

Die älteste Decke (25 Jahre alt?): zusammengesetzt wie es mir grade paßte, komplett aus alten Klamotten, manche davon waren mir sehr lieb, wie die graue Leinenbluse. Und dieser Stoff bröckelt nun. Insgesamt ist die Decke sehr verbleicht find ich ganz schön).
 




Das Leinen von meiner alten Bluse (aus den 80er Jahren) löst sich langsam auf. Wird Leinen mit den Jahren brüchig?
 

Kaum breite ich die Decke auf dem Boden aus, um zu sehen, wo überall geflickt werden muß, stürzt sich Tieger drauf, als hätte er nie nie nie im Leben was Weiches unter sich.

Und die Decke aus den prachtvollen Bezugstoffproben und den Seidenresten, meine Bettdecke. Die ersten Streifen schon draufgesetzt, eine Stelle hab ich gestern abend so geflickt, daß ich sie heute nicht mehr finde. Aber die hier wird man sehen. Die Seide ist ausgefranst, die schönen türkisblauen Fäden sollen auf dem dunkelblauen Stoff prangen. Kein unauffälliges perfektes Flicken hier.


 Weitere Stellen
Die Katzen ziehen Fäden.



Ich habe mit viel Freude die Stoffe kombiniert, die Decken genäht und benutze sie. Aber nachdem ich sie genäht hatte, waren sie für mein Gefühl abgenabelt. Ein Mißverständnis. Die Geschichte geht weiter, die Fortsetzung wird genäht. Vielleicht wird sie ganz aufregend ;-) Jedenfalls werden die Decken mit mir zusammen alt, tragen ihre Spuren, und ich sage was dazu. Flicken ist nicht nur nützlich (meine geflickten Socken und Pullover), die Beziehung zu den Sachen bleibt dadurch lebendig.
 

Mond und Mond und Mond

Die Mondgeschichte setzt sich fort. Der erste Stoffkreis ein Rest, unter Barbaras Mond 





weggeschnitten, auf die Naht gelegt,


unter diesem ein kleiner zweigeteilter Mond, der sich im Wasser spiegelt. 



Wie spiegelt er sich? Wie dunkel ist der Himmel? Woher kommt das Licht auf den Mond zu?

 


Ruhe. Ausgebreitete Arme. Die zwei Hälften sind schön, eine Klammer zwischen den Teilen. Eine Naht verbindet, obwohl sie auch eine Grenze ist.


Abendspielereien in einer sehr arbeitsreichen Woche.